Donnerstag, 01.08.2013

Der Goldene Ring – Russlands altertümliche Seele

Der Kreml von Rostow ist eins der schönsten Bauwerke des alten Russlands (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Sommerzeit ist Urlaubszeit. Der Goldene Ring in Russland ist eins der beliebtesten Urlaubsziele – sowohl bei den Russen, als auch bei den ausländischen Touristen. Kein Wunder: Hier zeigt sich Russland von der besten Seite.
Zwiebeltürme, goldene Kuppeln und prachtvolle weiße Steinbauten harmonieren hier mit kleinen, aber charmanten bunten Holzhäuschen. Hier – so scheint es – steckt Russlands wahre Seele. In den altrussischen Städten rund um Moskau bieten das, was der Metropole fehlt: Ruhe, Herzlichkeit und Geschichtsbewusstsein.

Glorreiche Geschichte


Einst waren die meisten der Städte religiöse oder wirtschaftliche Zentren, reiche Handwerker- oder Kaufmannssiedlungen. Ihre günstige geographische Lage – nicht wenige Städte des Goldenen Rings liegen an der Wolga oder einem ihrer Nebenflüsse – ließen sie im Mittelalter aufblühen. Noch heute zeugen die prächtigen Kathedralen mit ihrem byzantinischen Pomp, dem schweren Gold sowie den teuren Ikonen und Fresken, von einstiger Größe und Reichtum.

Der Goldene Ring bietet aber nicht nur geschichtsinteressierten Reisenden Genuss. Die landschaftlich reizvolle Umgebung, die (verhältnismäßig) leichte Erreichbarkeit und die teils gut ausgebaute touristische Infrastruktur machen die Städte zur ersten Anlaufstelle für Touristen, die dem Großstadttrubel in Moskau entfliehen wollen.

Zentren: Rostow und Susdal


Einen Konsens darüber, welche Städte zum Goldenen Ring zählen, gibt es nicht. Der Begriff wurde erstmals vom sowjetischen Schriftsteller Juri Bytschkow verwendet. In praktisch allen Reiseführern heute werden das Zentrum der russisch-orthodoxen Kirche Sergijew Possad, die einstigen Fürstenstädte Wladimir, Rostow Weliki und Susdal sowie Jaroslawl, Kostroma und Pereslawl genannt.

Gerade die kleinen Städte Rostow und Susdal gelten dabei als Perlen und stehen – zu Recht - hoch in der Gunst der Touristen. Hier scheint es, als sei die Zeit stehen geblieben. Da sie zu Sowjetzeiten bereits wirtschaftlich unbedeutend waren, wurden sie von Abriss und Plattenbau weitgehend verschon.

Zarenresidenz und VIP-Kurort


Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Städte, die Anspruch auf Mitgliedschaft in dem elitären Klub erhebt: Da ist die einstige Zarenresidenz Alexandrow, von wo aus Iwan der Schreckliche 17 Jahre lang das Reich beherrschte – und wo noch heute sein Thron zu bestaunen ist.

Da sind die Wolgastädtchen Uglitsch, Myschkin, Kaljasin und Pljos, die mit ihren malerischen alten Holzhäusern die altrussische Handwerkskunst symbolisieren und daher von vielen Kreuzfahrtschiffen angesteuert werden. Den größten Aufstieg hat dabei Pljos gemacht, das sich mit seiner strikten Fokussierung auf Tourismus von einem Geheimtipp zu einem VIP-Erholungsort wandelte. Premier Dmitri Medwedew soll hier seine Datscha haben, auf die er ab und zu per Hubschrauber einfliegt.

Hauptstadt der Liebespärchen


Da ist Murom, älter als Moskau und Handlungsort der Legende um Pjotr und Fewronija, dem Liebespaar, das die russisch-orthodoxe Kirche zu Schutzheiligen der Ehe und Treue erklärte und einen eigenen Feiertag (ähnlich dem Valentinstag) widmete. Auch die etwas abgelegenen Städte Jurjew-Polski, Gus-Chrustalny und Gorochoewetz warten mit viel Geschichte, einem Kreml, Kirchen oder einem stillen Kloster auf.

Selbst die industriell geprägten Städte Rybinsk und das zu Sowjetzeiten für Ausländer gesperrte Iwanowo werden teilweise zum Goldenen Ring gezählt. Wer seine Reise im Voraus gut plant, findet auf jeder dieser Stationen etwas Reizvolles und Unvergessliches.